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Hautprobleme durch CGM-Sensor: was bei Rötung und Juckreiz hilft

  • Autorenbild: Dr. med. Michael Fiedler MHBA
    Dr. med. Michael Fiedler MHBA
  • vor 6 Tagen
  • 5 Min. Lesezeit

Key Facts

  • Unter Glukosesensoren treten Rötung, Juckreiz und Ekzeme an der Klebefläche häufig auf.

  • Ein allergisches Kontaktekzem zeigt sich typischerweise erst 24 bis 72 Stunden nach dem Kleben.

  • Hauptauslöser ist meist der Acrylat-Kleber, bei FreeStyle Libre wurde Isobornylacrylat nachgewiesen.

  • Ein Hydrokolloidpflaster als Unterkonstruktion trennt Kleber und Haut – verordnungsfähig als Hilfsmittel.

  • Nässende Stellen, Pusteln oder Fieber sprechen für eine Infektion und gehören innerhalb von 24 Stunden untersucht.

  • Sensorwechsel, Hautschutz und Verordnung planen Dr. med. Michael Fiedler und Dr. med. Ulrike Stützer gemeinsam.


Hautreizung unter CGM-Sensor am Oberarm – Diabetestechnologie – DGZO Berlin
Typische Hauterscheinungen durch das CGM-System ausgelöst.

Typische Symptome: so zeigt sich eine Hautreaktion unter dem Sensor

Der Sensor liegt 10 bis 15 Tage auf derselben Hautstelle, unter Verschluss, mit Schweiß, Reibung und Klebstoff. Drei Reaktionsformen lassen sich unterscheiden – sie brauchen unterschiedliche Behandlungen.

  • Irritative Reaktion: Rötung am Pflasterrand, Brennen, trockene Schuppung. Sie entsteht mechanisch und beginnt oft schon in den ersten Stunden.

  • Allergisches Kontaktekzem: Starker Juckreiz, Schwellung, Bläschen, nässender Ausschlag, später Schuppung. Der Ausschlag bildet exakt die Klebefläche ab, tritt verzögert nach 24 bis 72 Stunden auf und wird mit jedem weiteren Sensor früher und heftiger.

  • Infektion: Pustel oder Knoten an der Einstichstelle, Druckschmerz, Überwärmung, gelegentlich Fieber. Hier hilft weder Pflegecreme noch Pflasterwechsel.

Ein Dexcom G7 Hautausschlag sieht dabei nicht anders aus als einer unter Libre 3 – die Form der Reaktion sagt mehr über die Ursache aus als der Hersteller. Ein scharf begrenztes, juckendes Ekzem in Pflasterform gehört gezielt abgeklärt.


Risikofaktoren: wer besonders aufpassen sollte

  • Bereits bekannte Kontaktallergie auf Acrylate, Klebstoffe oder Kolophonium

  • Atopische Veranlagung: trockene Haut, Neurodermitis in der Vorgeschichte, Heuschnupfen

  • Wiederholtes Kleben auf derselben Hautstelle ohne Rotationsplan

  • Starkes Schwitzen, Sport, Sauna, Sommer – Feuchtigkeit weicht die Hautbarriere auf

  • Kinder und Jugendliche mit dünner Haut und langer voraussichtlicher Anwendungsdauer

  • Zusätzliche Klebeflächen durch eine Insulinpumpe auf begrenzter Körperfläche

Der entscheidende Punkt: Eine Kontaktallergie verschwindet nicht von selbst. Wer weiter klebt, sensibilisiert sich weiter.


Was löst die CGM-Sensor-Allergie aus?

Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft hat für FreeStyle Libre Isobornylacrylat (IBOA) als auslösendes Allergen benannt – ein Stoff, der Kunststoffteile im Sensorgehäuse verbindet und von dort in die Klebefolie wandern kann. Das erklärt, warum ein zusätzliches Pflaster allein oft nichts bringt.

Weitere beschriebene Auslöser sind andere Acrylate, Kolophonium-Derivate sowie Bestandteile mancher Hautkleber und Sprühfixierer. Die Materialzusammensetzung unterscheidet sich zwischen Herstellern und Sensorgenerationen – darauf beruht die Option, das System zu wechseln.


H2 Diagnostik: so klären wir ab

Die Leitfrage lautet: Ist es Reibung, Allergie oder Infektion – und ist die Sensortherapie zu retten?

Anamnese und Fotodokumentation

Wir gehen den zeitlichen Ablauf durch: Wann tritt die Reaktion auf, wie lange nach dem Kleben, wie verhält sie sich nach dem Entfernen? Fotos vom Tag des Sensorwechsels sind dafür sehr hilfreich.

Hautbefund an der Klebestelle

Beurteilt werden Begrenzung, Bläschen, Nässen und Ausbreitung über die Klebefläche hinaus. Das dauert wenige Minuten und entscheidet meist schon über das weitere Vorgehen.

Epikutantest beim Dermatologen

Bei Verdacht auf ein allergisches Kontaktekzem überweisen wir gezielt zur Epikutantestung, unter anderem mit Isobornylacrylat 0,1 %. Die Testpflaster bleiben 48 Stunden auf dem Rücken, abgelesen wird nach 48 und 72 Stunden.


Therapie: was wirklich hilft

Wir gehen von der einfachsten zur weitreichendsten Maßnahme vor. Meist genügen die ersten drei Bausteine.

  1. Sensor entfernen und Haut abheilen lassen. Der Sensor wird abgenommen, nicht abgerissen: Silikonhaltiger Pflasterlöser oder Öl lösen den Kleber, ohne die Hornschicht mitzunehmen.

  2. Entzündung behandeln. Für wenige Tage ein topisches Kortikosteroid, dosiert nach Hautareal und Alter, danach eine rückfettende, duftstofffreie Basispflege.

  3. Vorbehandeln vor dem nächsten Sensor. Ein kortisonhaltiges Spray oder eine dünn aufgetragene Creme auf die trockene Haut, vollständig eintrocknen lassen, erst dann kleben. Das ist eine etablierte Praxislösung außerhalb der Zulassung der Präparate und gehört deshalb ärztlich begleitet.

  4. Barrierefilm auftragen. Ein alkoholfreier, silikonhaltiger Hautschutzfilm reduziert Reibung und Kleberkontakt, ersetzt bei nachgewiesener Allergie aber keine echte Barriere.

  5. Hydrokolloidpflaster als Unterkonstruktion. Das Pflaster wird auf die Haut geklebt, mittig ein kleines Loch für das Filament ausgestanzt, der Sensor darauf gesetzt – so berührt der Kleber die Haut fast nicht mehr. Dr. med. Michael Fiedler verordnet geeignete Hydrokolloidpflaster als Hilfsmittel, statt sie dauerhaft privat zahlen zu lassen.

  6. System- oder Herstellerwechsel. Bleibt die Reaktion trotz Hautschutz bestehen, ist der Wechsel auf einen Sensor eines anderen Herstellers – etwa von FreeStyle Libre auf Dexcom oder umgekehrt – der konsequente Schritt. Zusätzlich melden wir bestätigte Materialreaktionen dem BfArM, denn nur so werden Häufungen sichtbar.

Und das umgekehrte Problem: Wenn der Sensor nicht klebt, liegt es fast nie am Sensor. Haut fett- und cremefrei reinigen, trocknen lassen, den Sensor 30 Sekunden andrücken und bei Sport oder Hitze einen Overpatch über den Rand legen. Enthaarung und Eincremen gehören auf den Vortag.


Hydrokolloidpflaster als Unterlage unter einem Glukosesensor – Sensorpflege
Eine mögliche Lösung: Hydrokolloidpflaster als Unterlage unter einem Glukosesensor


Ablauf im DGZO: in 4 Schritten zum klaren Plan

  1. Bestandsaufnahme: Hautbefund, Fotos, bisherige Sensorstellen, Tragedauer, verwendete Pflegeprodukte.

  2. Einordnung: Irritation, Allergie oder Infektion – bei unklarem Befund Überweisung zur Epikutantestung.

  3. Maßnahmen festlegen: Akuttherapie, Hautschutz, Rotationsplan, bei Bedarf Verordnung von Hydrokolloidpflastern.

  4. Schriftliches Konzept: Plan für die nächsten Sensorwechsel, inklusive Kontrolltermin nach zwei bis vier Wochen.

Die Auswertung der Glukoseverläufe läuft parallel weiter – dazu mehr auf unseren Seiten zur digitalen Diabetespraxis und zur CGM- und AID-Versorgung bei Typ-1-Diabetes.


Kurzfazit

Juckende, gerötete Haut unter dem Glukosesensor ist kein Grund, die Messung aufzugeben. Wichtig ist, zwischen mechanischer Reizung, Kontaktallergie und Infektion zu unterscheiden – daraus ergibt sich die Behandlung, von Hautschutz über Vorbehandlung und Unterlage bis zum Wechsel des Systems. Wer die Ursache kennt, trägt den nächsten Sensor meist wieder beschwerdefrei.


Häufige Fragen zu Hautreaktionen unter Glukosesensoren

Wie schnell nach dem Kleben zeigt sich eine Allergie?

Ein allergisches Kontaktekzem tritt typischerweise 24 bis 72 Stunden nach dem Hautkontakt auf. Eine Rötung, die schon nach wenigen Minuten oder Stunden entsteht, spricht eher für eine mechanische Reizung oder Feuchtigkeitsstau.


Hilft es, einfach ein anderes Pflaster zu verwenden?

Nur teilweise. Bei FreeStyle Libre wurde Isobornylacrylat aus dem Sensorgehäuse als Auslöser nachgewiesen – ein Overpatch obenauf löst das Problem deshalb oft nicht, ein Hydrokolloidpflaster als Unterlage dagegen häufig.


Übernimmt die Krankenkasse Hydrokolloidpflaster für die Sensorstelle?

Hydrokolloidpflaster sind grundsätzlich als Hilfsmittel verordnungsfähig, wenn die medizinische Notwendigkeit dokumentiert ist. Dr. med. Michael Fiedler stellt die Verordnung aus und hält den Hautbefund dafür schriftlich fest.


Bringt der Wechsel von FreeStyle Libre auf Dexcom etwas?

Ja, das ist eine sinnvolle Option, weil sich Gehäuse- und Klebermaterialien der Hersteller unterscheiden. Der Wechsel sollte aber erst erfolgen, wenn Hautschutz und Unterlage ausgeschöpft sind.


Darf ich den Sensor bei Juckreiz einfach liegen lassen?

Nein. Wer trotz Reaktion weiterklebt, verstärkt die Sensibilisierung, und die Beschwerden treten beim nächsten Sensor früher und heftiger auf. Bei nässenden Stellen, Pusteln oder Fieber gehört die Stelle innerhalb von 24 Stunden ärztlich untersucht.


Wer betreut Hautprobleme unter dem Sensor im DGZO?

Sensortherapie und Hautbefund betreuen Dr. med. Michael Fiedler, Facharzt für Innere Medizin und Diabetologie, und Dr. med. Ulrike Stützer, Fachärztin für Allgemeinmedizin und Diabetologin DDG, gemeinsam. Die praktische Klebetechnik wird in der Diabetesberatung eingeübt.


Termin und Vorbereitung

Wenn die Haut unter dem Sensor juckt, brennt oder nässt, muss die Messung nicht enden. Vereinbaren Sie einen Termin zur Beurteilung der Klebestelle und zur Hautschutzplanung im DGZO.

Bitte mitbringen: Fotos der Hautstelle nach dem Sensorwechsel, Hersteller und Generation Ihres Sensors, verwendete Sprays, Cremes und Pflaster, Medikationsplan, Vorbefunde.

Bitte vorab ausfüllen: die Online-Anamnese – so starten wir im Termin direkt mit der Untersuchung.

Termin online buchen: https://www.dgzo-berlin.de/termin Telefon: 030 24334370 · E-Mail: info@dgzo-berlin.de


Quellen und Leitlinien



Medizinisch geprüft von Dr. med. Michael Fiedler, Facharzt für Innere Medizin und Diabetologie (DDG, LÄK) · Stand: August 2026

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Bei akuten Beschwerden wenden Sie sich an den ärztlichen Bereitschaftsdienst 116117, im Notfall an die 112.


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