Netzhautuntersuchung bei Diabetes in Berlin: Augenscreening in der Diabetespraxis

Aktualisiert: 18. Sep.
Key Facts
Hoher Blutzucker schädigt die feinen Gefäße der Netzhaut – oft jahrelang unbemerkt.
Die diabetische Retinopathie betrifft die gesamte Netzhaut, die Makulopathie die Stelle des schärfsten Sehens.
Beschwerden treten meist erst auf, wenn bereits Schäden bestehen.
Leitlinien empfehlen eine Kontrolle alle ein bis zwei Jahre, je nach Risikoprofil.
Bei Typ-1-Diabetes ab dem 11. Lebensjahr oder nach fünf Jahren Erkrankungsdauer, bei Typ-2-Diabetes ab Diagnosestellung.
Im DGZO führen unsere Medizinischen Fachangestellten das Netzhautscreening durch, die Bewertung erfolgt ärztlich.
Beim Sehen fällt zunächst gar nichts auf – und genau das ist das Problem. Eine Schädigung der Netzhaut durch Diabetes entwickelt sich schleichend und ohne Schmerzen, während sich die Gefäße im Augenhintergrund bereits verändern. Wer erst zum Screening geht, wenn das Sehen schlechter wird, verschenkt die Zeit, in der sich am meisten erreichen lässt.
Diabetologie und Gefäßmedizin sitzen bei uns in einer Praxis. Die Netzhaut ist das einzige Organ, an dem sich kleine Gefäße direkt betrachten lassen – was wir dort sehen, ordnen wir sofort in Ihr gesamtes Stoffwechsel- und Gefäßprofil ein. Aus dem Befund entsteht direkt ein schriftlicher Plan, nicht nur ein Bild in der Akte.

Diabetische Retinopathie und Makulopathie: was im Auge passiert
Die Netzhaut (Retina) kleidet das Auge von innen aus und wandelt Licht in Nervensignale um. Versorgt wird sie über ein Netz sehr feiner Blutgefäße. Dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte schädigen genau diese kleinen Gefäße – man spricht von einer Mikroangiopathie.
Diabetische Retinopathie
Bei der diabetischen Retinopathie werden die Gefäßwände durchlässig und instabil: Es entstehen Aussackungen (Mikroaneurysmen), kleine Blutungen und Fettablagerungen. Schreitet die Erkrankung fort, werden Netzhautbereiche nicht mehr ausreichend durchblutet, und das Auge bildet neue, minderwertige Gefäße – die proliferative Form. Diese Gefäße können bluten und zu einer Netzhautablösung führen.
Diabetische Makulopathie
Die Makula ist die nur wenige Millimeter große Stelle des schärfsten Sehens – zuständig für Lesen, Gesichtererkennen und Autofahren. Tritt dort Flüssigkeit aus den geschädigten Gefäßen aus, schwillt die Netzhautmitte an (Makulaödem). Eine Makulopathie kann auch bestehen, wenn die übrige Netzhaut unauffällig aussieht. Sie ist die häufigste Ursache dafür, dass Menschen mit Diabetes an Sehschärfe verlieren.
Typische Symptome: warum die Netzhaut lange schweigt
Netzhautveränderungen tun nicht weh. Die Netzhaut besitzt keine Schmerzrezeptoren, und das gesunde Auge gleicht kleine Ausfälle lange aus. Wenn Beschwerden auftreten, sind sie ernst zu nehmen:
verschwommenes oder verzerrtes Sehen, gerade Linien wirken wellig
Schwierigkeiten beim Lesen, Buchstaben in der Mitte „fehlen"
schwankende Sehschärfe, besonders bei stark schwankendem Blutzucker
dunkle Flecken, Schatten oder „Rußregen" im Gesichtsfeld
plötzlicher Sehverlust auf einem Auge
Die letzten beiden Punkte sind Alarmzeichen und gehören sofort augenärztlich abgeklärt – nicht erst beim nächsten Diabetestermin. Umgekehrt gilt: Gutes Sehen ist kein Beweis für eine gesunde Netzhaut. Deshalb ist das Screening eine Untersuchung für Beschwerdefreie.
Risikofaktoren: wer besonders aufpassen sollte
Dauer der Diabeteserkrankung – der stärkste Einflussfaktor überhaupt
Dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte, gemessen am HbA1c-Verlauf
Bluthochdruck, der die geschädigten Gefäße zusätzlich belastet
Nierenerkrankung (diabetische Nephropathie) – tritt häufig gemeinsam mit Netzhautschäden auf
Schwangerschaft bei vorbestehendem Diabetes, weil sich eine Retinopathie rasch verschlechtern kann
Rauchen und Fettstoffwechselstörungen
Wer bereits andere Folgeerkrankungen kleiner oder großer Gefäße hat – etwa eine Polyneuropathie oder ein diabetisches Fußsyndrom –, gehört grundsätzlich in die Gruppe mit erhöhtem Risiko. Netzhaut, Nieren, Nerven und Füße erzählen dieselbe Geschichte.
Diagnostik: so screenen wir die Netzhaut im DGZO
Die Leitfrage lautet: Sind an der Netzhaut Veränderungen sichtbar – und wenn ja, wie dringend müssen sie augenärztlich weiterbeurteilt werden?
Anamnese und Risikoeinschätzung
Wir erfassen Diabetesdauer, HbA1c-Verlauf, Blutdruck, Nierenwerte und bisherige Augenbefunde. Daraus ergibt sich, in welchem Intervall Ihre Netzhaut kontrolliert werden sollte.
Netzhautfotografie mit der Funduskamera
Eine hochauflösende Funduskamera von Topcon fotografiert den Augenhintergrund. Die Aufnahme dauert nur wenige Minuten pro Auge, ist berührungsfrei und schmerzfrei. Durchgeführt wird sie von unseren Medizinischen Fachangestellten, die dafür speziell geschult sind.
KI-gestützte Auswertung und ärztliche Bewertung
Die Aufnahmen werden durch eine KI-gestützte Software analysiert, die auffällige Bildbereiche markiert. Die Software trifft keine Entscheidung: Jeder Befund wird anschließend ärztlich bewertet und gemeinsam mit Ihren Stoffwechsel- und Gefäßbefunden eingeordnet. Sie erhalten das Ergebnis schriftlich.
Was die Kasse zahlt – und was bei uns Selbstzahlerleistung ist
Die augenärztliche Netzhautuntersuchung bei Diabetes ist eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung und Bestandteil der Disease-Management-Programme (DMP) für Diabetes. Sie wird in der augenärztlichen Praxis erbracht.
Nicht über die Krankenkasse abrechenbar ist das Netzhautscreening in der diabetologischen Praxis. Wir bieten es deshalb als Selbstzahlerleistung an; die Kosten belaufen sich zum Selbstkostenanteil auf 34€, die Abrechnung erfolgt nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ).
Der Vorteil liegt im Weg: Das Screening findet dort statt, wo Sie ohnehin sind – im Rahmen Ihres Diabetestermins, ohne separate Wartezeit.
Kein Ersatz für den Augenarzt: wie wir zusammenarbeiten
Wir sagen es deutlich: Unser Screening ersetzt die augenärztliche Untersuchung nicht. Ein Netzhautfoto zeigt den Augenhintergrund, aber keine Sehschärfe, keinen Augeninnendruck und keine Beurteilung der übrigen Augenstrukturen an der Spaltlampe.
Was es leistet, ist eine frühe Auffälligkeitserkennung im Takt Ihrer Diabetesbetreuung. Zeigen die Aufnahmen Veränderungen, leiten wir den Befund an eine augenärztliche Praxis weiter und stimmen die Dringlichkeit ab – dafür arbeiten wir mit augenärztlichen Kolleginnen und Kollegen zusammen. Bei unauffälligem Befund bleibt es bei dem Kontrollintervall, das Ihr Risikoprofil vorgibt.
Therapie: was die Netzhaut schützt
Blutzuckereinstellung: Je stabiler der Verlauf, desto langsamer schreiten Netzhautveränderungen fort.
Blutdruckeinstellung: Entlastet die geschädigten kleinen Gefäße unmittelbar – der zweite große Hebel neben dem Blutzucker.
Rauchstopp und Lipidtherapie: Wirken auf dieselbe Gefäßstrecke wie die Therapie bei Typ-2-Diabetes insgesamt.
Augenärztliche Verfahren: Bei behandlungsbedürftigen Befunden stehen Medikamenteneingaben in das Auge (intravitreale Injektionen) und Lasertherapie zur Verfügung – ausschließlich augenärztlich.
Unsere Aufgabe in der diabetologischen Betreuung ist die erste Hälfte dieser Liste – und dafür zu sorgen, dass die zweite rechtzeitig beginnt.
Ablauf im DGZO: in 4 Schritten zum Befund
Termin und Aufklärung – Sie entscheiden sich für das Screening, wir erklären Ablauf und Kosten vorab.
Aufnahme durch die MFA – Netzhautfotografie beider Augen mit der Funduskamera, berührungsfrei und in wenigen Minuten.
KI-gestützte Analyse und ärztliche Bewertung – die markierten Bildbereiche werden ärztlich beurteilt und mit Ihren übrigen Befunden zusammengeführt.
Schriftlicher Befund und klarer Plan – unauffällig: Termin für die nächste Kontrolle. Auffällig: Weiterleitung an die augenärztliche Praxis mit Einschätzung der Dringlichkeit.
Kurzfazit - Netzhautuntersuchung bei Diabetes in Berlin
Schäden am Augenhintergrund entstehen bei Diabetes lange vor den ersten Beschwerden – deshalb entscheidet der Kontrolltakt darüber, wie viel Sehkraft erhalten bleibt. Ein Screening in der Diabetespraxis senkt die Hürde, die Befundbeurteilung bleibt ärztlich und der Weg zur augenärztlichen Behandlung kurz.
Häufige Fragen zum Augenscreening bei Diabetes
Wie oft muss die Netzhaut bei Diabetes kontrolliert werden?
Bei geringem Risiko genügt in der Regel eine Kontrolle alle zwei Jahre, bei erhöhtem Risiko wird jährlich kontrolliert. Ist das allgemeine Risikoprofil unklar, wird nach Leitlinie so verfahren, als läge ein ungünstiges Profil vor. Bestehen bereits Netzhautveränderungen, gibt die augenärztliche Praxis das Intervall vor.
Ab wann sollte die erste Untersuchung stattfinden?
Bei Typ-2-Diabetes sollte die erste Untersuchung bereits bei Diagnosestellung erfolgen, bei Typ-1-Diabetes ab dem 11. Lebensjahr oder nach fünf Jahren Erkrankungsdauer. Der Grund für den frühen Zeitpunkt beim Typ-2-Diabetes: Die Erkrankung besteht häufig schon Jahre, bevor sie erkannt wird.
Muss ich für das Netzhautfoto die Pupille erweitern lassen?
Nein, für die Screening-Aufnahme in unserer Praxis ist in der Regel keine Pupillenerweiterung nötig. Eine augenärztliche Untersuchung mit erweiterter Pupille kann trotzdem erforderlich werden, wenn der Befund weiter abgeklärt werden muss. Sie können danach auch wieder mit dem Auto fahren und müssen sich nicht abholen lassen.
Wer beurteilt die Aufnahmen im DGZO?
Die Aufnahmen werden ärztlich beurteilt – im DGZO durch Dr. med. Michael Fiedler, Facharzt für Innere Medizin und Diabetologie, und Dr. med. Ulrike Stützer, Fachärztin für Allgemeinmedizin und Diabetologin DDG. Die KI-gestützte Software markiert auffällige Bildbereiche, die Bewertung selbst trifft sie nicht.
Was passiert, wenn die Aufnahme auffällig ist?
Bei einem auffälligen Befund leiten wir Sie an eine augenärztliche Praxis weiter und geben eine Einschätzung zur Dringlichkeit mit. Sie erhalten den Befund schriftlich, damit die weiterbehandelnde Praxis direkt darauf aufsetzen kann.
Kann sich die Sehschärfe durch eine bessere Blutzuckereinstellung vorübergehend verschlechtern?
Ja, wenn sehr hohe Blutzuckerwerte rasch abgesenkt werden, kann sich eine bestehende Retinopathie vorübergehend verschlechtern. Deshalb werden solche Umstellungen schrittweise geplant und bei bekannter Retinopathie augenärztlich begleitet.
Termin und Vorbereitung
Wenn Sie Diabetes haben und Ihre letzte Netzhautkontrolle länger als ein Jahr zurückliegt, ist das der richtige Zeitpunkt. Vereinbaren Sie im DGZO einen Termin für das Netzhautscreening auf diabetische Retinopathie und Makulopathie. Das Screening ist eine Selbstzahlerleistung; die Kosten belaufen sich auf 34€.
Möglichst mitbringen: Vorbefunde Ihrer Augenarztpraxis. Wir untersuchen auch Patienten, wenn Sie nicht bei uns in diabetologischer Betreuung sind.
Termin online buchen: https://www.dgzo-berlin.de/terminbuchung ab Oktober 2026 oder per Telefon: 030 24334370
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Quellen und Leitlinien
Bundesärztekammer, KBV, AWMF: Nationale VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes, 2. Auflage. AWMF-Register-Nr. nvl-001, Stand 05/2023. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/nvl-001
Bundesärztekammer, KBV, AWMF: NVL Prävention und Therapie von Netzhautkomplikationen bei Diabetes, 2. Auflage, Version 2. AWMF-Register-Nr. nvl-001b, Stand 09/2015 (abgelaufen, fortgeführt in nvl-001). https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/nvl-001b
Deutsche Diabetes Gesellschaft: S3-Leitlinie Therapie des Typ-1-Diabetes. AWMF-Register-Nr. 057-013, Stand 03/2023. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/057-013
Deutsche Diabetes Gesellschaft: Praxisempfehlungen, jährlich aktualisiert. https://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de
Gemeinsamer Bundesausschuss: DMP-Anforderungen-Richtlinie, Anlage Diabetes mellitus. https://www.g-ba.de
Medizinisch geprüft von Dr. med. Michael Fiedler, Facharzt für Innere Medizin und Diabetologie (DDG, LÄK) · Stand: September 2026
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Bei akuten Beschwerden wenden Sie sich an den ärztlichen Bereitschaftsdienst 116117, im Notfall an die 112.


