Insulinpumpenmodelle 2026: welches AID-System passt zu mir?

Aktualisiert: 1. Sept.
Key Facts
AID-Systeme steuern die Insulinabgabe automatisch nach – alle fünf Minuten, rund um die Uhr.
Sechs Systemfamilien sind für den deutschen Markt relevant: Omnipod 5, Kaleido, mylife YpsoPump, t:slim X2, MiniMed 780G und die neue MiniMed Flex.
Die Reservoirgrößen reichen von 160 bis 300 Einheiten – entscheidend bei hohem Tagesbedarf.
Nur ein System ist ausdrücklich für die Anwendung in der Schwangerschaft zugelassen.
Die Altersfreigaben beginnen bei einem Jahr, bei anderen Systemen erst ab sieben Jahren.
Kein System ist „das beste“ – die Passung entscheidet über die Zeit im Zielbereich.
Sie haben drei Prospekte auf dem Tisch und sollen sich für eine Insulinpumpe entscheiden. Alle Hersteller versprechen dasselbe: mehr Zeit im Zielbereich, weniger Unterzuckerungen, weniger Denkarbeit. Die eigentliche Frage ist eine andere – welches System zu Ihrer Haut, Ihrem Alltag und Ihrer Lebensplanung passt.

Warum wir herstellerneutral beraten
Wir vertreiben keine Pumpen und haben keine Vertriebsverträge mit Herstellern.
Die Empfehlung entsteht aus Ihren Sensordaten und Ihrem Alltag, nicht aus einem Produktkatalog.
Wir können alle in Deutschland zugelassenen Pumpenmodelle bei uns in der Praxis betreuen.
DIY-Looper betreuen wir medizinisch natürlich auch. Aber: wir dürfen aus rechtlichen Gründen heraus keine Empfehlungen zu technischen Aspekten oder Therapieanpassungen durch das eigenständig angepasste System geben.
Wie ein AID-System funktioniert
AID steht für „Automatisierte Insulin-Dosierung“, umgangssprachlich Closed Loop. Wie wir die Therapie des Typ-1-Diabetes mit AID und CGM aufbauen, lesen Sie auf unserer Leistungsseite. Drei Bausteine arbeiten zusammen: ein Glukosesensor (CGM), eine Insulinpumpe und ein Algorithmus, der beide verbindet. Der Algorithmus liest den Sensorwert, rechnet den Trend hoch und passt die Basalrate an – bei den meisten Systemen alle fünf Minuten.
Wichtig für die Erwartung: Alle verfügbaren Systeme sind hybride Closed-Loop-Systeme – die Mahlzeit müssen Sie weiterhin selbst ankündigen.
Insulinpumpenmodelle 2026: welches AID-System passt zu mir
Omnipod 5 – die schlauchlose Patchpumpe
Der Pod wird direkt auf die Haut geklebt und alle drei Tage gewechselt. Es gibt keinen Schlauch und keine separate Pumpe am Gürtel. Der Algorithmus heißt SmartAdjust, er sagt den Glukoseverlauf der nächsten 60 Minuten voraus und passt die Abgabe alle fünf Minuten an. Zugelassen ist das System für Typ-1-Diabetes ab zwei Jahren. Als Sensor dienen Dexcom G6 und G7. Der Pod fasst maximal 200 Einheiten.
Kaleido – der Zwischenweg
Kaleido ist eine sehr kleine, wiederverwendbare Pumpe mit wahlweise 5 cm oder 30 cm Schlauch – am Oberarm wie eine Patchpumpe oder am Bauch wie eine klassische Pumpe. Die Kartusche fasst 200 Einheiten. Gesteuert wird über ein separates Handset mit dem DBLG2-Algorithmus von Diabeloop, der sich aus Gewicht, Tagesdosis und Mahlzeitengröße selbst kalibriert. Sensor: Dexcom G7.
mylife YpsoPump mit CamAPS FX – das System für besondere Lebenslagen
Die YpsoPump ist eine kleine Schlauchpumpe mit 160 Einheiten Reservoir, wahlweise mit vorgefüllter Insulinkartusche. Der Algorithmus CamAPS FX läuft als App auf dem Smartphone und ist für Menschen mit Typ-1-Diabetes ab einem Jahr sowie ausdrücklich für Schwangere mit Typ-1-Diabetes zugelassen. Zwei Funktionen sind im Alltag praktisch: „Boost“ erhöht die Aggressivität bei Infekt oder Stress, „Ease-off“ senkt sie vor dem Sport. Kompatibel sind Dexcom-Sensoren und FreeStyle Libre 3.
t:slim X2 mit Control-IQ – die klassische Schlauchpumpe mit Touchscreen
Die t:slim X2 fasst 300 Einheiten und wird über einen Touchscreen bedient. Control-IQ arbeitet mit klar definierten Modi: Ein Aktivitätsmodus hebt den Zielwert für Sport, ein Schlafmodus senkt ihn nachts und verzichtet auf automatische Korrekturboli. Sensorseitig werden Dexcom G6 und G7 unterstützt. In Europa ist Control-IQ für Kinder ab sechs Jahren freigegeben.
MiniMed 780G – der aggressivste Algorithmus
Das SmartGuard-System gibt automatische Korrekturboli bis zu alle fünf Minuten ab und erkennt zusätzlich nicht angekündigte Mahlzeiten (Meal Detection). Das Reservoir fasst 300 Einheiten. Die Zulassung gilt für Typ-1-Diabetes ab sieben Jahren. Seit Dezember 2024 ist in Deutschland der Simplera-Sync-Sensor verfügbar – ein Einweg-Sensor ohne separaten Transmitter, der in unter zehn Sekunden gesetzt wird und keine Blutzuckerkalibrierung mehr braucht.
MiniMed Flex – der Nachfolger ohne Display
Im März 2026 hat die US-Zulassungsbehörde FDA die MiniMed Flex freigegeben: etwa halb so groß wie die 780G, ohne eigenes Display, komplett über die Smartphone-App gesteuert, mit 300 Einheiten Reservoir und dem weiterentwickelten SmartGuard-Algorithmus inklusive Meal Detection. Freigegeben ist sie in den USA für Typ-1-Diabetes ab sieben Jahren und für insulinpflichtigen Typ-2-Diabetes ab 18 Jahren. Für Deutschland liegt uns Stand August 2026 kein bestätigtes Markteinführungsdatum vor. Sprechen Sie diesen Punkt vor einem Neuantrag an – eine Hilfsmittelversorgung bindet Sie in der Regel mehrere Jahre.
Welche Pumpe passt zu welchem Patienten?
Stand August 2026. Zulassungen und Sensorfreigaben ändern sich laufend – wir prüfen sie vor jedem Antrag erneut.
System | Bauart | Algorithmus | Reservoir | Alterszulassung | Schwangerschaft | Bei Pflasterallergie |
Omnipod 5 | Patchpumpe, schlauchlos | SmartAdjust | 200 E | ab 2 Jahren | keine ausdrückliche Zulassung | eher ungeeignet – große Klebefläche alle 3 Tage |
Kaleido | Hybrid, 5 oder 30 cm Schlauch | DBLG2 (Diabeloop) | 200 E | ab 18 Jahren | keine ausdrückliche Zulassung | gut geeignet – kleine Katheterfläche wählbar |
mylife YpsoPump + CamAPS FX | Schlauchpumpe | CamAPS FX | 160 E | ab 1 Jahr | ausdrücklich zugelassen | gut geeignet |
t:slim X2 + Control-IQ | Schlauchpumpe, Touchscreen | Control-IQ | 300 E | in Europa ab 6 Jahren | keine ausdrückliche Zulassung | gut geeignet |
MiniMed 780G | Schlauchpumpe | SmartGuard mit Meal Detection | 300 E | ab 7 Jahren | keine ausdrückliche Zulassung | gut geeignet |
MiniMed Flex | Schlauchpumpe, displaylos | SmartGuard mit Meal Detection | 300 E | USA: ab 7 Jahren | keine ausdrückliche Zulassung | gut geeignet |
So lesen Sie die Tabelle:
Hoher Tagesbedarf. Über 60 Einheiten am Tag leeren ein 160-Einheiten-Reservoir in unter drei Tagen – dann sprechen 200 oder 300 Einheiten für sich.
Kleinkinder. Unter sieben Jahren bleiben vor allem CamAPS FX (ab einem Jahr) und Omnipod 5 (ab zwei Jahren).
Kinderwunsch. Nur mylife Loop mit CamAPS FX ist für Schwangere mit Typ-1-Diabetes ausdrücklich zugelassen; alle anderen Systeme sind dafür nicht formal geprüft. Mehr dazu auf unserer Seite zum Diabetes in der Schwangerschaft.
Hautprobleme und Sport. Bei Reaktion auf Pflasterkleber ist die Schlauchpumpe meist besser: kleinere Klebefläche, freier wählbarer Katheterort, abkoppelbar beim Sport.
Ablauf im DGZO: in vier Schritten zur passenden Pumpe
Bestandsaufnahme. Wir werten Ihre Sensordaten der letzten 14 Tage in der digitalen Diabetespraxis aus (AGP), erfassen Tagesinsulinbedarf, Unterzuckerungen und Hautbefunde.
Bedarfsprofil. Gemeinsam klären wir Alter, Kinderwunsch, Beruf, Sport, Hautverträglichkeit und Ihre Bereitschaft zur Smartphone-Steuerung.
Systemauswahl und Antrag. Die Insulinpumpe ist ein Hilfsmittel nach § 33 SGB V. Wir begründen die Auswahl medizinisch und stellen den Antrag auf Kostenübernahme; in der Regel genehmigt die Kasse vor Versorgungsbeginn.
Schulung und Nachsteuerung. Zwei bis vier Wochen nach der Einweisung justieren wir die Algorithmus-Einstellungen anhand Ihrer realen Daten.
Kurzfazit
Die Wahl entscheidet sich nicht am Datenblatt, sondern an vier Fragen: Wie viel Insulin brauchen Sie täglich, wie alt sind Sie, wie reagiert Ihre Haut und planen Sie eine Schwangerschaft? Wer diese vier Punkte sauber klärt, landet fast immer bei ein bis zwei sinnvollen Optionen – und muss den Rest nicht mehr vergleichen. Insulinpumpenmodelle 2026: welches AID-System passt zu mir - war unser Beitrag hilfreich? Lassen Sie uns gern Rückmeldungen zukommen.
Häufige Fragen
Ist eine Patchpumpe besser als eine Schlauchpumpe?
Nein, beide Bauarten erreichen vergleichbare Ergebnisse – der Unterschied liegt im Alltag. Die Patchpumpe kommt ohne Schlauch aus und ist unauffälliger, klebt dafür großflächig auf der Haut. Die Schlauchpumpe lässt sich abkoppeln und schont empfindliche Haut, ist aber sichtbarer.
Welche Insulinpumpe eignet sich bei einer Pflasterallergie?
Bei bekannter Kontaktallergie auf Pflasterkleber ist eine Schlauchpumpe meist die bessere Wahl, weil die Klebefläche deutlich kleiner ist. Zusätzlich lassen sich Hautschutzfilme oder Zwischenpflaster einsetzen. Reaktionen sollten dokumentiert und der Katheterort systematisch rotiert werden.
Welches AID-System ist in der Schwangerschaft zugelassen?
Ausdrücklich für Schwangere mit Typ-1-Diabetes zugelassen ist das mylife Loop System mit dem CamAPS-FX-Algorithmus. Alle anderen in Deutschland verfügbaren AID-Systeme haben diese Zulassung derzeit nicht. Bei Kinderwunsch sprechen wir die Systemwahl deshalb frühzeitig an.
Wie groß muss das Insulinreservoir sein?
Als Faustregel sollte das Reservoir den Bedarf von mindestens drei Tagen fassen, weil Katheter und Pod ohnehin alle zwei bis drei Tage gewechselt werden. Bei einem Tagesbedarf von 60 Einheiten reichen 160 Einheiten knapp nicht, 200 oder 300 Einheiten dagegen komfortabel.
Wer entscheidet im DGZO über die Systemauswahl?
Die Auswahl treffen Sie gemeinsam mit Dr. med. Michael Fiedler beziehungsweise Dr. med. Ulrike Stützer auf Basis Ihrer Sensordaten der letzten 14 Tage. Wir arbeiten herstellerneutral und begründen die Empfehlung medizinisch, damit der Antrag bei der Krankenkasse trägt.
Zahlt die Krankenkasse ein AID-System?
Insulinpumpe und Sensor sind Hilfsmittel der gesetzlichen Krankenversicherung und werden bei entsprechender Indikation übernommen. Voraussetzung ist eine ärztliche Begründung und in aller Regel eine Genehmigung der Kasse vor Versorgungsbeginn. Wir übernehmen die Antragstellung.
Termin und Vorbereitung
Bringen Sie mit: aktuelle Sensordaten oder den Zugang zu Ihrem CGM-Portal, Medikationsplan, letzten HbA1c-Wert, Ihren durchschnittlichen Tagesinsulinbedarf und – falls vorhanden – Fotos von Hautreaktionen an bisherigen Klebestellen. Die Online-Anamnese vorab auszufüllen verkürzt den Termin spürbar.
Termin online buchen unter dgzo-berlin.de/terminbuchung oder telefonisch unter 030 24334370.
Quellen und Leitlinien
Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG): S3-Leitlinie Therapie des Typ-1-Diabetes. AWMF-Register-Nr. 057-013. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/057-013
DDG/DGGG: S3-Leitlinie Gestationsdiabetes mellitus (GDM). AWMF-Register-Nr. 057-008. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/057-008
Deutsche Diabetes Gesellschaft: Praxisempfehlungen, jährlich aktualisiert. https://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de
GKV-Spitzenverband: Hilfsmittelverzeichnis, Produktgruppe 03 (Applikationshilfen). https://www.gkv-spitzenverband.de
BfArM: Risikomeldungen und Sicherheitsinformationen zu Medizinprodukten. https://www.bfarm.de
Therapietabellen Diabetes mellitus: https://shop.mgo-fachverlage.de/therapietabellen-diabetes-mellitus-5-auflage.html
Medizinisch geprüft von Dr. med. Michael Fiedler, Facharzt für Innere Medizin und Diabetologie (DDG, LÄK) · Stand: August 2026
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Bei akuten Beschwerden wenden Sie sich an den ärztlichen Bereitschaftsdienst 116117, im Notfall an die 112.


