Was macht ein Angiologe? Der Unterschied zum Gefäßchirurgen

Das Wichtigste in Kürze
Ein Angiologe ist Internist mit Spezialisierung auf Erkrankungen von Arterien, Venen und Lymphgefäßen.
Er erkennt und behandelt Gefäßerkrankungen überwiegend ohne Operation – vor allem mit Ultraschall, Messungen und Medikamenten.
Der Gefäßchirurg operiert: Bypass, Ausschälung der Halsschlagader, Aneurysma-Versorgung, Krampfader-Operationen.
Ein Knöchel-Arm-Index unter 0,9 gilt als Hinweis auf eine Durchblutungsstörung der Beine.
Bei Thromboseverdacht bringt ein Kompressionsultraschall der Beinvenen meist im selben Termin Klarheit.
Im DGZO übernimmt Dr. med. Michael Fiedler, Facharzt für Innere Medizin und Angiologie, die Gefäßmedizin.
Wenn die Waden beim Gehen schmerzen, ein Bein plötzlich anschwillt oder der Hausarzt ein Geräusch an der Halsschlagader hört, lautet die Überweisung oft „zum Gefäßarzt". Doch welcher ist gemeint – der Angiologe oder der Gefäßchirurg? Die Antwort entscheidet darüber, ob zuerst gründlich untersucht oder bereits über eine Operation gesprochen wird.
Warum Gefäße und Diabetes in eine Praxis gehören: Diabetes ist einer der stärksten Risikofaktoren für Gefäßerkrankungen. Im DGZO werden Stoffwechsel und Gefäße gemeinsam betrachtet – aus Ultraschallbefund, Laborwerten und Medikamentenplan entsteht ein schriftlicher Behandlungsplan.
Angiologe oder Gefäßchirurg: der Unterschied
Beide Fachärzte kümmern sich um Gefäße, haben aber verschiedene Ausbildungswege und Aufgaben. Sie arbeiten eng zusammen und ergänzen sich.
Angiologe (internistischer Gefäßarzt) | Gefäßchirurg | |
Ausbildung | Facharzt für Innere Medizin und Angiologie | Facharzt für Gefäßchirurgie |
Schwerpunkt | Erkennen, Einordnen, konservative Behandlung, Vorbeugung | Operative und teils kathetergestützte Eingriffe |
Typische Werkzeuge | Ultraschall, Druckmessungen, Oszillografie, tcpO2, Medikamente, Gehtraining, Kompression | Operation, Bypass, Gefäßprothese, Stent |
Blick auf den Körper | Gefäße im Zusammenhang mit Herz, Stoffwechsel, Blutdruck, Gerinnung | Gezielte Versorgung der betroffenen Gefäßregion |
Vereinfacht gesagt: Der Angiologe stellt die Diagnose mittels Gefäßdiagnostik, behandelt die Ursachen und begleitet Sie langfristig. Ist eine Operation nötig, stellt er die Indikation gemeinsam mit dem Gefäßchirurgen und betreut Sie danach weiter. In Kliniken führen manche Angiologen zusätzlich Katheter-Eingriffe wie Ballondehnungen durch – das DGZO ist eine ambulante Praxis ohne Eingriffe dieser Art.

Typische Beschwerden: wann der Weg zum Angiologen sinnvoll ist
Gefäßerkrankungen entwickeln sich oft lange unbemerkt. Diese Zeichen sollten Sie abklären lassen:
Schmerzen in Wade, Oberschenkel oder Gesäß beim Gehen, die in Ruhe nachlassen
kalte, blasse Füße oder schlecht heilende Wunden an Zehen und Fersen
einseitig geschwollenes, warmes, schmerzendes Bein
sichtbare Krampfadern, schwere Beine am Abend, Hautverfärbungen am Knöchel
dauerhaft geschwollene Beine oder Arme
kurzzeitige Seh- oder Sprachstörungen, Lähmungen oder Taubheit einer Körperseite
Achtung: Plötzliche Lähmung, Sprachstörung oder Atemnot sind Notfälle – dann sofort die 112.
Risikofaktoren: wer besonders aufpassen sollte
Rauchen, auch in der Vergangenheit
Diabetes mellitus
Bluthochdruck
erhöhte Blutfette, vor allem LDL-Cholesterin und Lipoprotein(a)
Alter über 50 Jahre und familiäre Belastung
Bewegungsmangel und Übergewicht
frühere Thrombosen, längere Ruhigstellung, Operationen
Bei Diabetes verlaufen Durchblutungsstörungen häufig ohne typische Schmerzen, weil die Nerven geschädigt sind. Gerade hier lohnt sich eine gezielte Untersuchung.
Erkrankungen: was ein internistischer Gefäßarzt behandelt
Arterien
Schaufensterkrankheit (pAVK): Verengung der Beinarterien durch Arteriosklerose.
Verengung der Halsschlagader (Carotisstenose): wichtige Ursache von Schlaganfällen.
Erweiterung der Bauchschlagader (Bauchaortenaneurysma): bleibt meist lange ohne Beschwerden.
Durchblutungsstörungen der Arme und Finger, etwa beim Raynaud-Syndrom.
Venen
Tiefe Beinvenenthrombose und deren Langzeitfolgen (postthrombotisches Syndrom)
Krampfadern (Varikose) und chronische Venenschwäche (CVI)
offenes Bein (Ulcus cruris)
Lymphgefäße und Gewebe
Lymphödem und die Abgrenzung zum Lipödem
Gemischte Krankheitsbilder
diabetisches Fußsyndrom mit Durchblutungsstörung – hier überschneiden sich Angiologie und Diabetologie direkt. Mehr dazu auf unserer Seite zum diabetischen Fußsyndrom.
Diagnostik: so klären wir ab
Die Leitfragen sind immer dieselben: Liegt eine Gefäßerkrankung vor? Wie ausgeprägt ist sie? Wo genau sitzt sie? Die meisten Antworten liefert der Ultraschall – schmerzfrei, ohne Strahlung, ohne Kontrastmittel.
Gespräch und körperliche Untersuchung
Wir erfassen Beschwerden, Gehstrecke, Vorerkrankungen und Medikamente, tasten die Pulse und untersuchen Haut und Füße.
Knöchel-Arm-Index (ABI) und Zehendruck
Der Blutdruck an Knöcheln und Armen wird verglichen. Ein Wert unter 0,9 spricht für eine pAVK. Bei Diabetes sind die Gefäße oft verkalkt und liefern falsch hohe Werte – dann ergänzen wir die Messung des Zehendrucks.
Farbduplex-Ultraschall der Arterien
Halsschlagader, Bauchschlagader sowie Bein- und Armarterien werden in Farbe dargestellt. So sehen wir Ablagerungen, Engstellen und Erweiterungen und messen die Blutflussgeschwindigkeit.
Ultraschall der Venen
Mit dem Kompressionsultraschall schließen wir eine Thrombose aus oder weisen sie nach. Der Venenduplex zeigt, ob Venenklappen schließen und woher Krampfadern gespeist werden.
Therapie: was wirklich hilft
Risikofaktoren behandeln: Blutzucker, Blutdruck und Cholesterin konsequent einstellen, Rauchstopp begleiten.
Medikamente: Thrombozytenhemmer, Statine, Gerinnungshemmer bei Thrombose – nach Leitlinie und individuellem Risiko.
Strukturiertes Gehtraining: Bei der Schaufensterkrankheit verlängert es nachweislich die schmerzfreie Gehstrecke.
Kompressionstherapie: bei Venenschwäche, nach Thrombose und bei Lymphödem.
Wundbehandlung: bei offenen Beinen und Fußwunden, abgestimmt auf die Durchblutung.
Operation oder Katheter-Eingriff: wenn nötig, in Zusammenarbeit mit Gefäßchirurgie und interventioneller Angiologie.
Ablauf im DGZO: in 4 Schritten zum klaren Plan
Online buchen und Anamnese ausfüllen – so wissen wir vorab, worum es geht.
Gespräch und Untersuchung bei Dr. med. Michael Fiedler.
Ultraschall und Messungen im selben Termin, mit Erklärung direkt am Bildschirm.
Schriftlicher Befund und Behandlungsplan – bei Bedarf mit Überweisung zum Gefäßchirurgen.
Unser gefäßmedizinisches Spektrum im DGZO
Farbduplex-Ultraschall von Halsschlagader, Bauchschlagader sowie Bein- und Armarterien
Kompressionsultraschall zum Ausschluss einer Thrombose
Venenduplex bei Krampfadern, Venenschwäche und postthrombotischem Syndrom
Knöchel-Arm-Index und Zehendruckmessung
Behandlung von offenem Bein und diabetischem Fußsyndrom, inklusive Wundversorgung
ärztliche Fußsprechstunde donnerstags zusammen mit orthopädischen Schuhmachermeister
Gefäß-Vorsorge für Privatversicherte und Selbstzahler, etwa Carotis-, Bauchaorten-, Venen- oder pAVK-Check
Ultraschall der Bauchschlagader als Kassenleistung für Männer ab 65 Jahren
Alle Leistungen im Überblick finden Sie auf unserer Seite Gefäßmedizin und Angiologie im DGZO.
Kurzfazit: Was macht ein Angiologe? Der Unterschied zum Gefäßchirurgen
Der Angiologe klärt, behandelt und begleitet – der Gefäßchirurg greift ein, wenn eine Operation nötig ist. Wer Beschwerden an Beinen, Venen oder Halsgefäßen hat, ist beim internistischen Gefäßarzt zunächst richtig aufgehoben. Besonders bei Diabetes lohnt sich die gemeinsame Betrachtung von Stoffwechsel und Gefäßen.
Häufige Fragen zum Angiologen
Brauche ich eine Überweisung zum Angiologen?
Gesetzlich Versicherte brauchen in der Regel eine Überweisung, Privatversicherte nicht. Die Überweisung Ihres Hausarztes enthält zudem die Fragestellung, was die Untersuchung gezielter macht.
Ab welcher Größe muss ein Bauchaortenaneurysma operiert werden?
Bei Männern wird ab einem Durchmesser von 5,5 cm in der Regel eine Operation empfohlen, bei Frauen bereits ab etwa 5,0 cm. Kleinere Aneurysmen werden regelmäßig mit Ultraschall kontrolliert.
Kann ein Angiologe Krampfadern entfernen?
Die operative Entfernung übernehmen in der Regel Gefäßchirurgen oder Phlebologen. Kleinere Krampadern können allerdings auch vom Angiologen mit Sklerosierung behandelt werden. Der Angiologe klärt vorher mit dem Venenduplex, welche Venen betroffen sind und welche Behandlung sinnvoll ist.
Warum zum Angiologen, wenn ich Diabetes habe?
Menschen mit Diabetes haben ein deutlich erhöhtes Risiko für Durchblutungsstörungen, die oft ohne typische Schmerzen verlaufen. Im DGZO untersucht Dr. med. Michael Fiedler die Gefäße, während die Diabetestherapie gemeinsam mit Dr. med. Ulrike Stützer abgestimmt wird.
Wie lange dauert eine Gefäßuntersuchung beim Angiologen?
Eine gezielte Ultraschalluntersuchung dauert je nach Region 15 bis 30 Minuten. Hinzu kommen das Vorgespräch und die Besprechung des Befunds im selben Termin.
Termin und Vorbereitung
Sie haben Beschwerden an Beinen, Venen oder Halsgefäßen oder möchten Ihre Gefäße vorsorglich prüfen lassen? Vereinbaren Sie einen Termin in unserer Gefäßsprechstunde.
Bitte mitbringen: Vorbefunde (z. B. frühere Ultraschall- oder Laborbefunde), aktuellen Medikationsplan, Überweisung Ihres Haus- oder Facharztes (bei gesetzlicher Versicherung), bei Diabetes den letzten HbA1c-Wert. Bitte vorab ausfüllen: die Online-Anamnese – so starten wir im Termin direkt mit der Untersuchung.
Quellen und Leitlinien
Deutsche Gesellschaft für Angiologie (DGA) u. a.: S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Nachsorge der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit. AWMF-Register-Nr. 065-003, Stand [MM/JJJJ – prüfen]. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/065-003
Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie (DGG): S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Nachsorge der extracraniellen Carotisstenose. AWMF-Register-Nr. 004-028, Stand [MM/JJJJ – prüfen]. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/004-028
DGG: S3-Leitlinie Screening, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Bauchaortenaneurysmas. AWMF-Register-Nr. 004-014, Stand [MM/JJJJ – prüfen]. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/004-014
DGA u. a.: S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Venenthrombose und Lungenembolie. AWMF-Register-Nr. 065-002, Stand [MM/JJJJ – prüfen]. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/065-002
Deutsche Gesellschaft für Phlebologie: S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Varikose. AWMF-Register-Nr. 037-018, Stand [MM/JJJJ – prüfen]. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/037-018
Medizinisch geprüft von Dr. med. Michael Fiedler, MHBA, Facharzt für Innere Medizin und Angiologie, Diabetologe (DDG, LÄK) · Stand: Oktober 2026
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Bei akuten Beschwerden wenden Sie sich an den ärztlichen Bereitschaftsdienst 116117, im Notfall an die 112.


